Patricia DeMauro – 154 Würfe, die die Welt veränderten

🕑 11 Min. Lesezeit

Zuletzt aktualisiert: März 2026 | Von: Guido – ehemaliger Casino-Mitarbeiter | Lesezeit: 13 Minuten

Es gibt Geschichten, die so unwahrscheinlich sind, dass sie erfunden klingen. Geschichten, bei denen du denkst: Das kann nicht passiert sein.

Die Geschichte von Patricia DeMauro ist so eine.

Eine Großmutter aus New Jersey. Ihr zweites Mal an einem Craps-Tisch. Sie kannte die Regeln kaum. Und dann würfelte sie 154 Mal in Folge, ohne eine Sieben zu werfen – 4 Stunden und 18 Minuten lang.

Die Wahrscheinlichkeit dafür? 1 zu 1,56 Billionen.

Um das einzuordnen: Die Chance, vom Blitz getroffen zu werden, liegt bei 1 zu 1 Million. Die Chance, im Lotto den Jackpot zu knacken, liegt bei etwa 1 zu 140 Millionen. Was Patricia DeMauro am 23. Mai 2009 im Borgata Casino tat, war 1,56 Millionen Mal unwahrscheinlicher als ein Lottogewinn.

Und sie wusste nicht einmal, was sie tat.


Der Abend, der alles veränderte

23. Mai 2009, Borgata Hotel Casino & Spa, Atlantic City

Es war ein ganz normaler Samstagabend in Atlantic City. Das Borgata Hotel Casino & Spa – das größte und profitabelste Casino in New Jersey – war gut besucht. Die Slot Machines blinkten, die Blackjack-Tische waren voll, und an den Craps-Tischen herrschte die übliche elektrische Atmosphäre.

Patricia DeMauro, eine Großmutter aus Denville, New Jersey, war mit einem Freund im Casino. Sie war keine Spielerin. Kein High Roller, keine Stammgästin. Sie hatte in ihrem ganzen Leben genau einmal Craps gespielt – und das war so lange her, dass sie die Regeln vergessen hatte.

Ihr Freund spielte bereits am Craps-Tisch. DeMauro stand daneben und schaute zu. Irgendwann reichte ihr jemand die Würfel.

Was dann passierte, hat Casino-Geschichte geschrieben.

Die ersten Würfe

DeMauro nahm die Würfel, schüttelte sie – und warf. Kein besonderes Ritual, kein Kuss auf die Würfel, kein Gebet. Einfach werfen.

Der erste Wurf. Kein Problem. Der zweite. Der dritte. Der zehnte.

Bei Craps ist die Regel einfach: Solange der Shooter (der Würfler) keine Sieben wirft, darf er weiterwürfeln. Und alle am Tisch, die auf den Shooter gesetzt haben, gewinnen mit.

DeMauro warf. Und warf. Und warf.

Nach 30 Minuten begannen die anderen Spieler am Tisch aufmerksam zu werden. Nach einer Stunde strömten Zuschauer herbei. Nach zwei Stunden war der Tisch von einer Menschenmenge umgeben, und das Casino-Management beobachtete die Situation auf den Überwachungsmonitoren.

Insider-Tipp: Wenn ein Craps-Shooter ungewöhnlich lange würfelt, passiert im Casino etwas Interessantes: Der Pit Boss ruft die Surveillance an. Die Surveillance fokussiert alle verfügbaren Kameras auf den Tisch. Und jemand zählt die Würfe mit. Nicht weil man Betrug vermutet – Würfelbetrug ist bei modernen Casino-Würfeln praktisch unmöglich –, sondern weil das Casino wissen muss, wie viel Geld es gerade verliert. Bei DeMauro war die Antwort: sehr, sehr viel.


154 Würfe: Was das bedeutet

Die Mathematik des Unmöglichen

Um zu verstehen, warum DeMauros Leistung so außergewöhnlich war, musst du die Mathematik von Craps verstehen:

Beim Wurf mit zwei Würfeln gibt es 36 mögliche Kombinationen. Von diesen 36 Kombinationen ergeben 6 eine Sieben (1+6, 2+5, 3+4, 4+3, 5+2, 6+1). Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem einzelnen Wurf eine Sieben zu werfen, beträgt 6/36 = 16,67%.

Oder umgekehrt: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem einzelnen Wurf keine Sieben zu werfen, beträgt 83,33%.

Das klingt gut, oder? 83% Chance, weiterspielen zu dürfen. Aber hier kommt die Multiplikation ins Spiel:

  • Keine Sieben bei 2 Würfen: 83,33% × 83,33% = 69,4%
  • Keine Sieben bei 10 Würfen: 83,33%^10 = 16,2%
  • Keine Sieben bei 50 Würfen: 83,33%^50 = 0,011%
  • Keine Sieben bei 100 Würfen: 83,33%^100 = 0,0000012%
  • Keine Sieben bei 154 Würfen: 83,33%^154 = 0,000000000064%

In anderen Worten: 1 zu 1.560.000.000.000. Eins zu 1,56 Billionen.

Um das greifbar zu machen:

Ereignis Wahrscheinlichkeit Vergleich zu DeMauro
Münzwurf: Kopf 1 zu 2 780 Milliarden Mal wahrscheinlicher
Vom Blitz getroffen 1 zu 1 Million 1,56 Millionen Mal wahrscheinlicher
Lotto-Jackpot (6 aus 49) 1 zu 14 Millionen 111.000 Mal wahrscheinlicher
Zwei Lotto-Jackpots hintereinander 1 zu 196 Billionen DeMauro war noch unwahrscheinlicher als EIN Jackpot, aber wahrscheinlicher als zwei

Der alte Rekord: Stanley Fujitake

Vor DeMauro hielt Stanley Fujitake den Weltrekord. Am 28. Mai 1989 – fast genau 20 Jahre vor DeMauros Rekord – würfelte der Parkplatzwächter aus Hawaii im California Hotel and Casino in Las Vegas 118 Mal in Folge, ohne eine Sieben zu werfen. Sein Lauf dauerte 3 Stunden und 6 Minuten.

Fujitake gewann selbst etwa 30.000 Dollar, aber das Casino verlor in dieser Nacht über 1 Million Dollar an die anderen Spieler am Tisch.

DeMauro übertraf Fujitakes Rekord um 36 Würfe und über eine Stunde. Stanley Fujitake starb 2009 – im selben Jahr, in dem sein Rekord gebrochen wurde.


4 Stunden 18 Minuten: Was am Tisch passierte

Die Atmosphäre

Wenn du jemals an einem Craps-Tisch gestanden hast, weißt du: Craps ist das lauteste Spiel im Casino. Spieler schreien, klatschen, umarmen sich. Es ist das einzige Spiel, bei dem Fremde gemeinsam jubeln – weil fast alle auf den gleichen Ausgang setzen.

Jetzt stell dir vor, dieser Jubel dauert über vier Stunden an.

Augenzeugen beschrieben die Szene am Borgata-Tisch als surreal:

  • Spieler, die eigentlich an anderen Tischen saßen, strömten herbei
  • Casino-Mitarbeiter, die nicht im Dienst waren, kamen zum Zuschauen
  • Der Bereich um den Craps-Tisch war so voll, dass Security Platz schaffen musste
  • Spieler stapelten immer höhere Einsätze auf den Tisch
  • DeMauros Freund erklärte ihr während des Spiels, welche Zahlen gut und welche schlecht waren

Das letzte Detail ist vielleicht das bemerkenswerteste: DeMauro verstand das Spiel nicht vollständig. Sie wusste, dass sie die Würfel werfen und keine Sieben würfeln sollte. Aber die Feinheiten – Pass Line, Don’t Pass, Come Bets, Place Bets – waren ihr fremd.

Sie würfelte einfach. Ohne Strategie. Ohne Ritual. Ohne Angst.

Insider-Tipp: Es gibt eine Theorie unter Craps-Spielern – und ich sage bewusst Theorie, nicht Fakt –, dass Anfänger bessere Shooter sind, weil sie keinen Druck verspüren. Sie wissen nicht, was auf dem Spiel steht. Sie denken nicht nach. Sie werfen einfach. Erfahrene Spieler dagegen verkrampfen, ändern ihren Wurf, denken zu viel nach. Ist das wissenschaftlich haltbar? Nein. Die Würfel haben kein Gedächtnis und kennen keinen Druck. Aber die Geschichte von Patricia DeMauro hält diese Legende am Leben – und das wird sie wohl für immer tun.


Wie viel hat DeMauro gewonnen?

Das bestgehütete Geheimnis

Hier wird es frustrierend: Weder Patricia DeMauro noch das Borgata Casino haben jemals die exakte Gewinnsumme veröffentlicht.

Was wir wissen:

  • DeMauro selbst hat in Interviews nur gesagt, sie habe „genug gewonnen, um zufrieden zu sein“
  • Das Borgata hat die Summe nie kommentiert
  • Experten schätzen den Gewinn auf mehrere Hunderttausend Dollar

Warum nicht mehr? Bei 154 Würfen über 4 Stunden hätte der Gewinn theoretisch in die Millionen gehen können – wenn DeMauro hohe Einsätze platziert hätte. Aber sie war eine Gelegenheitsspielerin mit bescheidenem Budget. Sie spielte vermutlich mit niedrigen Einsätzen, vielleicht $5 oder $10 pro Wurf.

Trotzdem: Bei 154 erfolgreichen Würfen summieren sich selbst kleine Einsätze zu einer beachtlichen Summe. Besonders wenn man bedenkt, dass bei einem langen Craps-Lauf die anderen Spieler am Tisch oft sehr aggressiv setzen – und das Casino dadurch hohe Verluste einfährt, auch wenn der Shooter selbst konservativ spielt.

Warum das Geheimnis?

Es gibt mehrere Gründe, warum DeMauro ihren Gewinn nicht verraten hat:

  1. Privatsphäre – DeMauro war eine Privatperson, keine öffentliche Figur. Sie wollte nicht als „die Craps-Millionärin“ bekannt werden
  2. Sicherheit – Wer öffentlich macht, dass er große Summen gewonnen hat, wird zur Zielscheibe
  3. Casino-Wunsch – Das Borgata hatte wenig Interesse daran, seinen größten Craps-Verlust öffentlich zu beziffern
  4. Steuern – In den USA müssen Casino-Gewinne über $600 versteuert werden. Je weniger öffentlich bekannt ist, desto weniger Aufmerksamkeit vom IRS

Was nach dem Rekord geschah

DeMauro und die Medien

Patricia DeMauros Rekord machte weltweit Schlagzeilen. Von der New York Times über CNN bis zu Casino-Fachmagazinen – alle berichteten über die Großmutter, die das Unmögliche geschafft hatte.

DeMauro gab einige wenige Interviews, darunter eines mit ABC News, in dem sie sagte:

„Ich wusste nicht einmal genau, was ich tat. Mein Freund hat mir am Tisch erklärt, was die Zahlen bedeuten. Ich habe einfach gewürfelt und gehofft, dass ich nichts falsch mache.“

Auf die Frage, ob sie einen besonderen Wurf hatte oder ein Ritual, antwortete sie:

„Nein. Ich hab die Würfel genommen und geworfen. Nichts Besonderes.“

Das Borgata und der Rekord

Das Borgata hat – anders als das California Hotel bei Fujitakes Rekord – den Rekord nicht groß gefeiert. Es gab keine Gedenktafel, kein jährliches Tournament, keine Bronze-Statue.

Der Grund ist einfach: Für das Borgata war DeMauros Lauf kein Marketingerfolg. Es war ein finanzieller Verlust. Während die Medien über den Rekord berichteten, rechnete das Casino-Management aus, wie viel Geld an diesem Abend über den Tisch gegangen war.

DeMauro heute

Patricia DeMauro hat sich nach dem Medienrummel weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sie hat nicht versucht, ihren Rekord zu wiederholen. Sie hat kein Buch geschrieben, keine Talkshow-Tour gemacht, keine Craps-Strategie verkauft.

Sie ist geblieben, was sie vorher war: eine Großmutter aus New Jersey, die einmal in ihrem Leben etwas Unglaubliches getan hat.

Insider-Tipp: In der Casino-Branche gibt es eine bittere Ironie bei Geschichten wie DeMauros. Das Casino verliert an einem einzigen Tisch einen Betrag, der die Quartalsgewinne spürbar belastet. Aber gleichzeitig strömen Hunderte von Menschen ins Casino, die denken: „Wenn eine Großmutter, die die Regeln nicht kennt, 154 Mal würfeln kann, dann kann ich das auch.“ Sie können es nicht. Aber sie versuchen es – und lassen ihr Geld da. Langfristig verdient das Casino an Geschichten wie DeMauros mehr, als es an diesem Abend verloren hat. Das ist die perfide Schönheit des Casino-Geschäfts.


Die Wissenschaft hinter dem Zufall

Warum Statistik „nicht gilt“ – und doch gilt

DeMauros Geschichte wird oft als Beweis dafür zitiert, dass „alles möglich ist“ und dass Statistiken „nichts bedeuten“. Das ist verständlich – aber falsch.

Hier ist die Wahrheit:

Statistik beschreibt, was WAHRSCHEINLICH passiert – nicht, was SICHER passiert.

Eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1,56 Billionen bedeutet nicht, dass es nicht passieren kann. Es bedeutet, dass es extrem selten passiert. Aber bei den Millionen von Craps-Würfen, die jeden Tag in Casinos weltweit stattfinden, ist es mathematisch sogar erwartbar, dass irgendwann ein solcher Lauf auftritt.

Das ist das Gesetz der großen Zahlen: Bei genügend Versuchen wird auch das Unwahrscheinlichste irgendwann eintreten.

Was DeMauros Geschichte nicht beweist:

  • Dass du den gleichen Lauf haben kannst (technisch ja, praktisch nein)
  • Dass Craps ein „beschlagbares“ Spiel ist
  • Dass Anfänger besser würfeln als Profis
  • Dass es „heiße“ Würfel oder magische Hände gibt

Was sie beweist:

  • Dass Zufall keine Grenzen kennt
  • Dass ein einzelnes Ereignis keine Regel macht
  • Dass die faszinierendsten Casino-Geschichten oft die sind, die nie wieder passieren werden

Was wir daraus lernen können

4 Lektionen aus Patricia DeMauros Rekordnacht

1. Zufall kennt keinen Anfänger und keinen Experten

DeMauro hatte keine Craps-Strategie, kein Ritual, keine Erfahrung. Die Würfel wussten nicht, wer sie warf. Das ist die fundamentale Wahrheit des Glücksspiels: Bei einem reinen Zufallsspiel wie Craps hat der Anfänger exakt die gleiche Chance wie der Veterane. Wer dir etwas anderes erzählt, lügt – oder verkauft dir eine „Craps-Strategie“.

2. Unwahrscheinlich ist nicht unmöglich

1 zu 1,56 Billionen ist eine absurd kleine Wahrscheinlichkeit. Aber sie ist nicht null. Und in einer Welt, in der jeden Tag Millionen von Würfeln geworfen werden, wird das Unwahrscheinliche irgendwann real. Das Problem: Die meisten Menschen leiten daraus ab, dass es auch ihnen passieren könnte. Und genau diese Hoffnung ist es, von der Casinos leben.

3. Der Hype ist gefährlicher als das Spiel

Nach DeMauros Rekord stiegen die Craps-Einnahmen in Atlantic City messbar an. Menschen strömten an die Tische, inspiriert von der Geschichte der Großmutter, die das Unmögliche geschafft hatte. Die meisten von ihnen verloren. Denn DeMauros Geschichte ist kein Vorbild – sie ist ein statistischer Ausreißer. Und Ausreißer sind per Definition nicht wiederholbar.

4. Manchmal ist das Beste, was du tun kannst: einfach aufhören

DeMauro hat nach ihrem Rekord nicht versucht, ihn zu wiederholen. Sie hat sich nicht zum Craps-Profi erklärt. Sie ist nach Hause gegangen und hat ihr Leben weitergelebt. Das ist vielleicht die klügste Entscheidung in dieser ganzen Geschichte. Denn die traurigste Version dieser Story wäre: Eine Großmutter gewinnt Hunderttausende – und verliert sie in den folgenden Monaten an den gleichen Tischen, weil sie glaubt, das Glück sei auf ihrer Seite.


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Guido

Ehemaliger Casino-Mitarbeiter mit 23 Jahren Branchenerfahrung. Schreibt ehrlich und unabhängig über Online Casinos, Sportwetten und Spielerschutz.

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