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Casinos drucken Geld. Dieses Bild hält sich hartnäckig, und auf den ersten Blick stimmt es sogar: Die deutschen Spielbanken haben 2024 zusammen 1.393,1 Mio. € Bruttospielertrag erzielt.
Die ehrliche Antwort ist unbequemer. Der Bruttoertrag ist riesig, der Gewinn winzig. In Deutschland nimmt vor allem der Staat den Löwenanteil. In Las Vegas fressen Gratisleistungen für Spieler, Zinsen und Personal fast alles auf. Kleinere Häuser schreiben dort sogar rote Zahlen.
Das Ganze hat einen Haken für dich als Spieler, und den klären wir am Ende. Erst die Zahlen.
Was „verdienen“ bei einem Casino überhaupt heißt
Zwei Begriffe brauchst du, dann wird alles lesbar.
Bruttospielertrag (BSE): Einsätze minus ausgezahlte Gewinne. Das ist der Betrag, den das Casino behält, und zwar vor Steuern, Abgaben und Kosten. In Nevada heißt dieselbe Größe „Win“.
Comps: Gratisleistungen für Spieler, also Zimmer, Essen, Getränke oder Shows. Wie viel du bekommst, hängt davon ab, wie viel du spielst.
Der Weg vom Einsatz zum Gewinn hat fünf Stationen:
- Spieler setzen ein.
- Gewinne gehen zurück an die Spieler. Der Rest ist der Bruttospielertrag.
- Davon nimmt der Staat seinen Anteil als Spielbankabgabe oder Glücksspielsteuer.
- Dann zahlt das Haus Personal, Miete, Technik, Marketing und Zinsen.
- Was übrig bleibt, ist der Gewinn.
Die Schlagzeile mit den Milliarden bezieht sich immer auf Station 2. Mit Station 5 hat sie wenig zu tun.
Deutschland: Spielbanken in Zahlen
Laut Meyer/Hayer („Glücksspiel – Zahlen und Fakten“, Jahrbuch Sucht 2026) lag der Bruttospielertrag aller Spielbanken 2024 bei 1.393,1 Mio. € (plus 5,4 %). 86,7 % davon kamen aus Automaten. Es gab 21 Spielbankgesellschaften mit 71 Standorten. Für Spielbanken rechnet das Jahrbuch mit einer Auszahlungsquote von mindestens 91 % der Einsätze.
Der Deutsche Spielbankenverband kommt für 2024 auf dieselben 1,39 Mrd. € und meldet für 2025 einen neuen Höchstwert: 1,51 Mrd. € bei 8,1 Mio. Besuchen an rund 70 Standorten. Trinkgelder (der sogenannte Tronc) sind darin nicht enthalten.
| Kennzahl | 2024 | 2025 |
|---|---|---|
| Bruttospielertrag Spielbanken | 1,39 Mrd. € | 1,51 Mrd. € |
| davon Automaten | 1,21 Mrd. € (86,7 %) | 1,31 Mrd. € |
| davon Klassisches Spiel | 185 Mio. € | 203 Mio. € |
| Besuche | 7,4 Mio. | 8,1 Mio. |
Quelle: Deutscher Spielbankenverband, Kennzahlen 2021–2025 (ohne Tronc). Die Werte für 2024 stimmen mit dem Jahrbuch Sucht 2026 überein.
Was bringt ein einzelner Automat?
Bayern liefert die Daten für eine Überschlagsrechnung. 2025 gab es dort 9 Spielbanken mit rund 1.100 Automaten, über 722.000 Gäste und einen Bruttospielertrag von rund 139 Mio. € (inklusive Tische). Das stammt aus dem Geschäftsjahr 2025 der Staatlichen Lotterie- und Spielbankverwaltung.
Nimmt man den bundesweiten Automatenanteil von 86,7 % und überträgt ihn auf Bayern, kommt man auf rund 9.000 € Bruttospielertrag pro Automat und Monat (139 Mio. € × 86,7 % ÷ 1.100 ÷ 12). Das ist eine grobe eigene Rechnung, die auf dieser Annahme beruht. Behandle sie nur als grobe Größenordnung.
Und wichtig: Das ist Bruttoertrag. Davon ist noch nichts bezahlt.
Wer bekommt was vom Euro?
Die Abgaben: je nach Bundesland sehr unterschiedlich
Der Staat greift in jedem Bundesland anders zu. Zwei Beispiele zeigen, wie weit die Regeln auseinanderliegen.
In Bayern (Art. 7 Spielbankgesetz) beträgt die Spielbankabgabe 25 % des Bruttospielertrags bis 25 Mio. € pro Jahr, darüber 30 %. Davon erhalten die Standortgemeinden einen Anteil in Höhe von 15 % des Bruttospielertrags.
In Niedersachsen liegt der Satz bei 50 % des Bruttospielertrags über einem Freibetrag von 1 Mio. €. Dazu kommt eine Zusatzabgabe von 10, 20 oder 25 % (je nachdem, ob der Ertrag bis 7 Mio. €, zwischen 7 und 10 Mio. € oder darüber liegt). Obendrauf gibt es eine weitere Abgabe von 30 % auf das Jahresergebnis.
Das Fallbeispiel: Baden-Württemberg
Die Baden-Württembergische Spielbanken GmbH & Co. KG (Baden-Baden, Konstanz, Stuttgart) gehört dem Land und legt ihre Zahlen im Beteiligungsbericht offen. Hier das Geschäftsjahr 2024 (Beteiligungsbericht 2025 des Landes Baden-Württemberg, S. 179).
Der Bruttospielertrag lag bei 143 Mio. €, ein Minus von 1,5 % gegenüber dem Rekordjahr 2023. Es gab 704.606 Besuche, beschäftigt waren 550 Menschen.
| Posten 2024 | Mio. € | Anteil am BSE |
|---|---|---|
| Bruttospielertrag | 143,0 | 100 % |
| Spielbankabgabe und weitere Leistungen | 79,1 | ca. 55 % |
| Personalaufwand | 32,4 | ca. 23 % |
| sonstige betriebliche Aufwendungen | 14,5 | ca. 10 % |
| Abschreibungen | 3,4 | ca. 2 % |
| Jahresergebnis | 3,0 | ca. 2 % |
Quelle: Beteiligungsbericht 2025 des Landes Baden-Württemberg, S. 179. Prozentanteile: eigene Berechnung auf Basis eines BSE von 143 Mio. €.
Zusammen mit weiteren Abführungen flossen 2024 laut Beteiligungsbericht 84,3 Mio. € an den Landeshaushalt, also rund 59 % des Bruttospielertrags (eigene Berechnung).
Übersetzt in einen Euro: Von jedem Euro, den die Spielbank behält, gehen fast 60 Cent an das Land. Als Gewinn bleiben gut 2 Cent. Der eigentliche Hauptprofiteur ist das Land.
Bayern: Die Gemeinden bekommen mehr, als die Abgabe einbringt
Der Bayerische Oberste Rechnungshof stellt in seinem Jahresbericht 2026 (TNr. 42) fest: Von 2016 bis 2024 überstieg der an die Spielbank-Gemeinden gezahlte Gemeindeanteil die vereinnahmte Spielbankabgabe um 21,3 Mio. €.
Für 2009 bis 2024 rechnet der Rechnungshof vor, dass die Gemeinden insgesamt 181,8 Mio. € erhielten. Die Gewerbesteuer, die sie ohne diese Sonderregel von den Spielbanken bekommen hätten, hätte laut Rechnungshof nur 35,9 Mio. € betragen.
Das Modell funktioniert also für Gemeinden gut, für den Landeshaushalt nur bedingt. Mit „Casinos füllen die Staatskasse“ hat das nicht mehr viel zu tun.
Las Vegas: Viel Umsatz, wenig Gewinn
Das Nevada Gaming Control Board, die Glücksspielaufsicht von Nevada, veröffentlicht seine Zahlen sehr detailliert. Der Gaming Revenue Report Juni 2024 deckt die zwölf Monate von Juli 2023 bis Juni 2024 ab.
Was ein Automat am Strip einspielt
Auf dem Las Vegas Strip erzielten die Automaten einen Win von 4,81 Mrd. $. Im Schnitt standen dort 35.886 Automaten. Die Win-Quote lag bei 7,98 % der Einsätze. Eigene Berechnung: rund 11.200 $ pro Automat und Monat.
| Region (Jul. 2023 – Jun. 2024) | Win-Quote | Win pro Automat und Monat |
|---|---|---|
| Las Vegas Strip | 7,98 % | ca. 11.200 $ |
| Downtown Las Vegas | 8,43 % | ca. 5.100 $ |
| Nevada gesamt (Casinos mit voller Lizenz) | 7,16 % | ca. 6.800 $ |
Quelle: Nevada Gaming Control Board, Gaming Revenue Report Juni 2024. Win pro Automat und Monat: eigene Berechnung.
Die Größenordnung ähnelt dem, was die grobe Bayern-Rechnung oben ergibt. Direkt vergleichen darf man die Zahlen allerdings nicht, denn Jahre, Währung und Steuersysteme unterscheiden sich.
Zur Quote noch ein Satz, der leicht falsch ankommt: Das Haus behält im Schnitt rund 8 Cent pro eingesetztem Dollar. Weil Gewinne immer wieder neu eingesetzt werden, schmilzt das mitgebrachte Budget trotzdem schnell. Wie das genau funktioniert, erklärt der Beitrag Wie funktionieren Spielautomaten.
Spiel ist nur ein Viertel des Umsatzes
Das Nevada Gaming Abstract 2024 (Geschäftsjahr bis 30.06.2024) enthält komplette Gewinn- und Verlustrechnungen. Die 26 großen Strip-Resorts mit mehr als 72 Mio. $ Spielertrag kamen zusammen auf 20,6 Mrd. $ Gesamtumsatz.
Davon stammten nur 25,8 % aus dem Spiel. Auf Zimmer entfielen 34,2 %, auf Essen 18,8 %. Das Glücksspiel lockt die Gäste an, das meiste Geld bringen aber Zimmer und Essen.
| Große Strip-Resorts, Geschäftsjahr 2024 | Wert |
|---|---|
| Gesamtumsatz | 20,6 Mrd. $ |
| Anteil Spiel | 25,8 % |
| Anteil Zimmer | 34,2 % |
| Anteil Essen | 18,8 % |
| Zinsaufwand | 10,2 % des Umsatzes |
| Gewinn vor Bundessteuer | 1,08 Mrd. $ (5,2 % des Umsatzes) |
Quelle: Nevada Gaming Abstract 2024.
Der Zinsaufwand frisst 10,2 % des Umsatzes. Das ist fast doppelt so viel, wie am Ende als Gewinn vor Bundessteuer bleibt.
Comps: Das Geschäftsmodell hinter dem Gratis-Zimmer
Die großen Strip-Häuser ziehen 2,95 Mrd. $ Gratisleistungen vom Spielertrag ab. Das entspricht rund 36 % des Spielertrags vor Comps (eigene Berechnung). Dazu kommen Gratis-Zimmer im Wert von 1,78 Mrd. $, also 25,3 % des Zimmerumsatzes. Glücksspielsteuern und Lizenzen schlagen mit 601 Mio. $ zu Buche, das sind 11,4 % des Spielertrags.
Hier steckt die Logik des Systems. Wer viel spielt, bekommt Zimmer, Essen und Shows geschenkt. Das Haus bezahlt das aus dem Spielertrag und hofft, dass du dafür weiterspielst. Wer die Branche von innen kennt, weiß, dass hoch spielende Gäste in den USA systematisch hofiert werden, mit Zimmer-Upgrades, Suiten und Comps aller Art. In Deutschland ist das deutlich weniger ausgeprägt. Wie solche Programme aufgebaut sind, steht in Casino-VIP-Programme.
Große Häuser verdienen, kleine verlieren
Die 28 kleineren Strip-Casinos mit 1 bis 72 Mio. $ Spielertrag machten im selben Geschäftsjahr zusammengenommen einen Verlust von 19,4 % ihres Umsatzes.
Über ganz Nevada gerechnet, also alle 307 Casinos mit mindestens 1 Mio. $ Spielertrag, lag der Gesamtumsatz bei 31,5 Mrd. $. Der Gewinn vor Steuern betrug 8,3 %. Das ist ein ordentliches Geschäft, aber weit weg vom Mythos der Gelddruckmaschine.
Spielhallen: Das größere Geschäft, aber ein schrumpfender Markt
Wenn es um Geld geht, sind in Deutschland gar nicht die Spielbanken der große Spieler. Laut dem Tätigkeitsbericht 2024 der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) erzielten Geldspielgeräte in Spielhallen und Gaststätten 4,9 Mrd. € Bruttospielertrag. Das ist das größte Segment des erlaubten Marktes, der insgesamt 14,4 Mrd. € erreicht. Die Spielbanken kommen zum Vergleich auf 1,4 Mrd. €.
Der Markt wird allerdings kleiner. Die Strukturstudie „Angebotsstruktur der Spielhallen und Geldspielgeräte“ (IW Consult mit dem Arbeitskreis gegen Spielsucht, Stand 01.01.2024) vergleicht dieselben Kommunen über die Jahre 2012 bis 2024:
| Veränderung 2012 → 2024 | Wert |
|---|---|
| Spielhallen-Standorte | −20 % |
| Konzessionen | −33 % |
| Geräte in Spielhallen | −32 % |
| Geräte in Gaststätten | −37 % |
Quelle: IW Consult / Arbeitskreis gegen Spielsucht, Stand 01.01.2024. Die Studie nennt selbst keine Gründe.
Der Rückgang fällt in die Zeit, in der der Glücksspielstaatsvertrag Mindestabstände zwischen Spielhallen und ein Verbot mehrerer Konzessionen an einem Standort eingeführt hat.
Bundesweit zählte IW Consult für 2022 rund 161.000 Geldspielgeräte, 2014 waren es noch rund 269.000. Seitdem ist die Zahl laut Strukturstudie weiter gesunken.
Eine grobe eigene Überschlagsrechnung (4,9 Mrd. € geteilt durch höchstens 161.000 Geräte) ergibt pro Gerät mindestens rund 2.500 € Bruttoertrag im Monat, wegen der gesunkenen Gerätezahl eher etwas mehr. Davon gehen noch Vergnügungssteuer, Miete, Personal und je nach Abgrenzung die Umsatzsteuer ab. Die Vergnügungssteuer beträgt in Köln 20 % des Einspielergebnisses (Stadt Köln). In Berlin gilt seit 2011 ebenfalls ein Satz von 20 %, den der Bundesfinanzhof 2018 für verfassungsgemäß erklärt hat (Urteile II R 42/15 und II R 43/15).
Der rechtliche Rahmen für diese Branche ist ein eigenes Thema, das der Beitrag zum Glücksspielstaatsvertrag 2021 aufdröselt.
Wie viel verdient ein Casino am Tag und im Jahr?
Auf den Tag heruntergerechnet werden die Milliarden von oben greifbarer. Die Tabelle zeigt die Werte für alle Spielbanken, für ein durchschnittliches Haus und zum Vergleich für Las Vegas.
| Kennzahl | pro Jahr | pro Tag |
|---|---|---|
| Alle deutschen Spielbanken zusammen, Bruttospielertrag 2025 | 1,51 Mrd. € | ca. 4,1 Mio. € |
| Eine Spielbank im Schnitt (rund 70 Standorte), Bruttospielertrag 2025 | ca. 21,6 Mio. € | ca. 59.000 € |
| Baden-Württemberg (3 Häuser zusammen), Bruttospielertrag 2024 | 143 Mio. € | ca. 392.000 € |
| Baden-Württemberg (3 Häuser zusammen), Jahresergebnis 2024 | 3,0 Mio. € | ca. 8.200 € |
| Großes Strip-Resort in Las Vegas, Gesamtumsatz (Schnitt von 26 Häusern, Geschäftsjahr 2024) | ca. 790 Mio. $ | ca. 2,2 Mio. $ |
| Großes Strip-Resort im Schnitt, Gewinn vor Bundessteuer | ca. 42 Mio. $ | ca. 114.000 $ |
Quellen: Deutscher Spielbankenverband, Beteiligungsbericht 2025 des Landes Baden-Württemberg, Nevada Gaming Abstract 2024. Werte pro Tag und pro Haus: eigene Berechnung.
Pro Besuch gerechnet wird der Abstand zwischen Einnahmen und Gewinn besonders deutlich. Bundesweit behielten die Spielbanken 2025 rund 186 € Bruttospielertrag pro Besuch. In Baden-Württemberg waren es 2024 rund 203 €, als Gewinn blieben davon gut 4 € (eigene Berechnung).
Wie viel ein einzelnes Haus einnimmt, schwankt stark. Die drei baden-württembergischen Spielbanken kamen 2024 im Schnitt auf rund 48 Mio. € Bruttospielertrag, mehr als doppelt so viel wie der Bundesschnitt. Im Durchschnitt über rund 70 Standorte stecken große Häuser genauso wie kleine. Die Tageswerte sind außerdem Jahresdurchschnitte und sagen nichts darüber, was an einem einzelnen Abend passiert.
Und was verdienen Online-Casinos?
Was umgangssprachlich Online-Casino heißt, sind in Deutschland rechtlich vor allem virtuelle Automatenspiele, also Online-Slots. Sie sind erst seit Juli 2021 erlaubnisfähig. Die meisten Anbieter bekamen ihre Erlaubnis 2022 oder 2023, 2024 war für sie das erste volle Jahr am Markt. Legale Online-Tischspiele wie Roulette hatte 2024 nur ein einziger Veranstalter im Angebot.
Laut Tätigkeitsbericht 2024 der GGL erzielten virtuelle Automatenspiele 2024 einen Bruttospielertrag von 489 Mio. € bei 4,3 Mrd. € Einsätzen. Die durchschnittliche Auszahlungsquote lag bei 88,5 %. Aktiv waren 36 Veranstalter mit 122 erlaubten Internetseiten. Für den ganzen legalen Markt sind das rund 1,3 Mio. € Bruttospielertrag pro Tag, pro Veranstalter im Schnitt etwa 13,6 Mio. € im Jahr (eigene Berechnung).
Auch online ist das noch nicht der Gewinn. Die Virtuelle Automatensteuer beträgt 5,3 % und bemisst sich am Spieleinsatz, nicht am Ertrag (§§ 37, 38 Rennwett- und Lotteriegesetz). Bei 4,3 Mrd. € Einsätzen macht das gut 200 Mio. € aus, also über 40 % des Bruttospielertrags (eigene Überschlagsrechnung). Daneben gibt es den unerlaubten Markt. Für die von ihr erfassten deutschsprachigen Seiten ohne deutsche Erlaubnis schätzt die GGL die Bruttospielerträge 2024 auf 500 bis 600 Mio. €. Darin stecken neben Casinospielen auch Sportwetten, Poker und Zweitlotterien.
Wie verdient ein Casino an Roulette, Blackjack, Poker und Automaten?
Der Bruttospielertrag entsteht je nach Spiel auf unterschiedliche Weise. Bei Roulette, Blackjack, Baccarat und Automaten spielt das Haus selbst mit und hat einen eingebauten mathematischen Vorteil. Beim Poker kassiert es eine Gebühr.
| Spiel | Woher der Vorteil des Hauses kommt | Was im Schnitt beim Haus bleibt |
|---|---|---|
| Roulette (eine Null) | Die Null: Gewinne werden so ausgezahlt, als gäbe es nur 36 Zahlen. | 2,70 % des Einsatzes, auf einfache Chancen mit La Partage oder En Prison 1,35 % |
| Blackjack | Der Spieler muss sich zuerst entscheiden. Wer sich überkauft, verliert, auch wenn sich der Dealer danach ebenfalls überkauft. | ca. 0,5 % bei perfekter Grundstrategie (je nach Regeln), ohne Strategie deutlich mehr |
| Baccarat | Die Ziehregeln begünstigen leicht die Bank, deshalb gehen auf Gewinne mit der Bank 5 % Kommission. Ein Unentschieden zahlt 8:1, fair wären rund 9,5:1. | Bank 1,06 %, Spieler 1,24 %, Unentschieden 14,36 % |
| Automaten in deutschen Spielbanken | Die Auszahlungsquote ist im Spielprogramm festgelegt und liegt unter 100 %. | höchstens rund 9 %, wenn man wie das Jahrbuch Sucht von mindestens 91 % Auszahlungsquote ausgeht |
| Online-Slots in Deutschland, 2024 | wie bei den Spielbank-Automaten | im Schnitt 11,5 % (Auszahlungsquote 88,5 %) |
| Poker | Das Haus spielt nicht mit. Es nimmt meist einen Anteil aus jedem Pot (Rake), an Live-Tischen auch eine Gebühr pro Zeit, bei Turnieren eine Gebühr auf das Startgeld. | legales Online-Poker 2024: Rake entsprach 8,6 % der Spieleinsätze |
Quellen: Hausvorteile bei Roulette, Blackjack und Baccarat (8 Decks) nach Wizard of Odds (Michael Shackleford). Spielbank-Automaten: Jahrbuch Sucht 2026. Online-Slots und Online-Poker: GGL-Tätigkeitsbericht 2024.
Ein Vorteil von 2,7 % wirkt klein, er gilt aber für jeden einzelnen Einsatz. Wer an einem Abend 200-mal 10 € auf eine Zahl setzt, hat 2.000 € umgesetzt und verliert im Erwartungswert 54 €. Mehr zu den einzelnen Spielen steht in Roulette Regeln & Varianten, Blackjack Basic Strategy und Baccarat erklärt.
Poker: Das Haus verdient, egal wer gewinnt
Beim Poker spielen die Gäste gegeneinander, das Casino stellt Tisch, Karten und Dealer. Für legales Online-Poker in Deutschland gibt es genaue Zahlen: Fünf Veranstalter nahmen 2024 zusammen 69 Mio. € Rake ein, bei 0,8 Mrd. € Spieleinsätzen. 81 % des Rakes kamen über Apps, der Rest über Internetseiten (GGL-Tätigkeitsbericht 2024).
Auch hier greift der Staat zu. Die Online-Pokersteuer beträgt wie bei Online-Slots 5,3 % und bemisst sich nicht am Rake, sondern am Spieleinsatz. Gemeint ist im Kern das Geld, das ein Spieler an den Tisch mitbringt, beim Turnier das Startgeld samt Gebühr (§§ 47, 48 Rennwett- und Lotteriegesetz). Entsprechen die 0,8 Mrd. € der GGL dieser Bemessungsgrundlage, wären das rund 40 Mio. €, also mehr als die Hälfte des Rakes (eigene Überschlagsrechnung). In der Statistik des Spielbankenverbands tauchen Pokertische in Spielbanken nicht gesondert auf. Sie unterscheidet nur zwischen Automaten und Klassischem Spiel.
Was das für dich als Spieler heißt
Hier kommt der Haken. „Das Casino verdient wenig“ heißt nicht „du gewinnst“.
Die Abgaben, Comps und Zinsen sind Probleme des Betreibers. Sie ändern nichts am Hausvorteil. Bei einer Auszahlungsquote in Spielbanken von mindestens rund 91 % und einer Win-Quote von rund 8 % am Strip arbeitet die Mathematik jede Minute gegen dich. Dass in Baden-Württemberg vom Euro Bruttospielertrag nur gut 2 Cent Gewinn übrig bleiben, liegt an Abgaben und Kosten. Dein Verlust am Automaten wird dadurch nicht kleiner. Die Frage, wie weit man im Casino überhaupt kommen kann, behandelt Kann man im Casino gewinnen?. Wenn du wissen willst, welche Slots überhaupt mehr zurückgeben, hilft Beste Slots nach RTP.
Und noch etwas: Ein Haus, das auf Gratis-Zimmer und Suiten setzt, will, dass du länger bleibst. Jede zusätzliche Stunde am Automaten kostet dich im Erwartungswert Geld. Wenn du merkst, dass aus Unterhaltung mehr wird, mach den Selbsttest zur Spielsucht. Er dauert wenige Minuten.
Fazit
Allein die deutschen Spielbanken behalten zusammen rund 1,4 bis 1,5 Mrd. € von den Einsätzen. Das ist der Bruttospielertrag, und der beeindruckt.
Gewinn ist etwas anderes. In Baden-Württemberg bleiben von 143 Mio. € Bruttospielertrag 3,0 Mio. € übrig. In Bayern hat der Freistaat den Spielbank-Gemeinden von 2016 bis 2024 mehr überwiesen, als er an Spielbankabgabe eingenommen hat. In Las Vegas verdienen die großen Resorts 5,2 % ihres Umsatzes, die kleineren Strip-Häuser liegen zusammen deutlich im Minus.
Das Casino ist also kein Geldautomat für seine Besitzer. Für dich bleibt es trotzdem ein Spiel mit eingebautem Nachteil.
Quellen
- Meyer, G./Hayer, T.: Glücksspiel – Zahlen und Fakten. In: Jahrbuch Sucht 2026 (Daten 2024).
- Deutscher Spielbankenverband: Spielbanken – Kennzahlen 2021–2025.
- Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung Bayern: Geschäftsjahr 2025.
- Bayerisches Spielbankgesetz, Art. 7.
- Landesamt für Steuern Niedersachsen: Spielbankabgabe, Zusatzabgabe, weitere Abgabe.
- Beteiligungsbericht 2025 des Landes Baden-Württemberg, S. 179 (Geschäftsjahr 2024).
- Bayerischer Oberster Rechnungshof: Jahresbericht 2026, TNr. 42.
- Nevada Gaming Control Board: Gaming Revenue Report Juni 2024.
- Nevada Gaming Control Board: Nevada Gaming Abstract 2024 (Geschäftsjahr bis 30.06.2024).
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder: Tätigkeitsbericht 2024.
- Rennwett- und Lotteriegesetz (RennwLottG), §§ 37, 38 (Virtuelle Automatensteuer) und §§ 47, 48 (Online-Pokersteuer).
- Shackleford, M.: House Edge, Wizard of Odds (Hausvorteile Roulette, Blackjack, Baccarat).
- Shackleford, M.: Baccarat Basics, Wizard of Odds (8 Decks: Bank 1,06 %, Spieler 1,24 %, Unentschieden 14,36 %).
- IW Consult mit Arbeitskreis gegen Spielsucht: Angebotsstruktur der Spielhallen und Geldspielgeräte in Deutschland (Stand 01.01.2024).
- Stadt Köln: Besteuerung von Spielgeräten mit Gewinnmöglichkeit.
- Bundesfinanzhof, Urteile vom 25.04.2018, II R 42/15 und II R 43/15 (Berliner Vergnügungsteuer).
- IW Consult: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Unterhaltungsautomatenwirtschaft 2022, berichtet von automatenmarkt.de.
Werte pro Automat, pro Haus, pro Tag und pro Besuch sowie Prozentanteile sind eigene Berechnungen auf Basis dieser Quellen.

Guido
Ehemaliger Casino-Mitarbeiter mit langjähriger Branchenerfahrung. Schreibt ehrlich und unabhängig über Online Casinos, Sportwetten und Spielerschutz.


